Franz Venier Radrennfahrer
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Race Across America


  

Dieses Rennen ist fast 5000 Kilometer lang und führt von der West- zur Ostküste der Vereinigten Staaten, dazu kommen noch 35-40000 Höhenmeter.

Beim RAAM wurde ich in vielen Belangen mit gänzlich Neuem konfrontiert:


Extreme Temperaturen
Man durchquert 13 Bundesstaaten, die höchste Erhebung ist der Tennesseepass mit seinen 3500 Metern. Hier sind auch im Juli noch Temperaturen um die Null Grad zu erwarten. 24 Stunden später wird es warm, sehr warm, ja sogar extrem heiß. Mir fällt ein Vergleich mit der Sauna ein. 50 Grad sind üblich und manchmal klettert die Quecksilbersäule noch höher hinauf.
Können Sie sich vorstellen mit dem Rad von Bregenz nach Eisenstadt bei 50 Grad zu fahren? Genau so lang ist die Strecke, die man zurücklegt, wenn man einen Bundesstaat beim RAAM durchquert! Na ja, dann viel Spaß! Für mich waren diese fü r unsere Breiten ungewohnten Temperaturen die absolute Härte.

StreckenfÜhrung
Die Straße führt 250 km geradeaus, nach einer leichten Rechtskurve wartet die nächste 150 km lange Gerade. Man muss sich dabei stets vor Augen halten, dass man mit jedem Kilometer dem Ziel ein bisschen näher kommt, sonst würde man vermutlich vom Rad steigen.

Eine Begegnung mit dem Wind, eigentlich einem Sturm
Dabei handelt es sich um keinen uns bekannten Föhnsturm, sondern vielmehr hat man das Gefühl, dass man in einen richtigen Orkan fährt. Ein Blick auf den Tacho, der nur mehr 10-14 Stundenkilometer anzeigt, lässt dich beinahe verzweifeln. Die nächsten 300 bis 400 Kilometer ändert sich nichts an dieser Situation. Statt lange darüber nachzudenken, ist es besser, konzentriert zu fahren und sich am Lenker festzuhalten, sonst landet man im Straßengraben. Weil ich selbst diese Situationen durchgemacht habe, verstehe ich jetzt, warum fast jeder RAAM- Finisher das Erlebte zu Papier bringen möchte.
Ein Zitat aus dem Buch von Herbert Meneweger "Ein Rennen, das härter ist als das Leben" beschreibt diese Eindrücke bestens.

Schmerzen
Als ich Mark Patten am dritten Tag mit offenen Fleischwunden, sonnenverbrannten Schienbeinen und mit aufgeschnittenen Schuhen (wegen der Schmerzen) überholte, glaubte ich, in einem Horrorfilm mitzuspielen. Zum Glück hatte ich keine Beschwerden, einfach nichts, rein gar nichts - nur furchtbar m üd e war ich, was wohl allzu gut verständlich ist. Dass ich nach 5000 km keinen Sonnenbrand, keine aufgerissenen Lippen und kein wundgesessenes Hinterteil hatte, verdankte ich sicher meinem ausgezeichneten Betreuerteam. Es wurde gecremt bis ins Ziel in Pensacola. Jeder gab das Letzte, das spürt man als Fahrer. So hatte nicht nur ich den Erfolg, sondern konnte ihn mit meiner Crew teilen.

Gedankensplitter und Erinnerungen
800 km vor dem Ziel legten wir eine kurze Pause ein. Die Sonne ging gerade unter und ich bekam einen Weinkrampf. Warum? Es war die Vorfreude, ich wusste, ich hatte es geschafft - nur noch eine Nacht, am folgenden Tag wü r de ich das Ziel erreichen! 5 km später fragte ich Georg, den Coach, wie weit es noch sei. Man erkennt also, in welcher Verfassung ich war. Später erfuhr ich, dass andere Fahrer 100 km vor dem Ziel noch aufgeben mussten. 50 km vor dem Ziel wollte ich noch in einem Hotel ü bernachten, um dann frisch und sauber ins Ziel fahren zu können. Da sahen meine Betreuer "Rot". Ihre lapidare Äußerung dazu: „Wir fahren ja nicht 5000 km hinter dir her, damit du 50 km vor dem Ziel noch ein Hotel brauchst!“ Sie hatten ja Recht, jedoch konnten sie damals meine momentane Situation nicht verstehen.

RAAM ist nicht nur das härteste Radrennen der Welt.
RAAM ist ein Mythos und ich hatte das Glück, bei diesem Rennen als Sechster die Finishline zu überqueren . Weiters war ich in der erfreulichen Situation beim 20jährigen Jubiläum als der 10. Rookie gefeiert zu werden.
(Ein Rookie ist ein offizieller Finisher, der bei seiner ersten Teilnahme ins Ziel kommt!

 

Zehn Minuten vor dem Start


Tennessee-Paß auf 3.500m


Colorado


50km vor demZiel


Endlich am Ziel