Franz Venier Radrennfahrer
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       Eine neue Herausforderung

44 Alpenpässe und 53000 Höhenmeter – verteilt auf 2000 km!
Start in Vaduz und Ziel 80 km nördlich der Cote d'Azur, natürlich in den Bergen, in Isola 2000. Eine Herausforderung, der sich nicht nur der Radsportler, sondern auch sein Betreuerteam stellt. Unser siebenköpfiges Team reiste am Samstag, 23. August 2003 gemeinsam mit Franz nach Liechtenstein. Ausgelassene Lockerheit und coole Sprü c he verschwanden mit dem Aussteigen vor dem Pressezentrum. Jeder war nur mehr darauf bedacht, seine Aufgabe bestmöglich zu erfüllen.

Dopingkontrolle, technische Abnahme des Fahrrades und der Begleitfahrzeuge und letzte Vorbereitungen b eanspruchten den restlichen Tag. Franz gönnte sich eine Ruhepause und verschwand in seinem Zimmer, was uns Betreuer in dem Augenblick gar nicht so störte. Am Nachmittag versammelte sich alles zur Pressekonferenz und zum Pre Race Meeting. Die Nervosität machte sich langsam, aber sicher bemerkbar. Die Athleten stellten sich vor und artikulierten ihre Ziele und W ün sche für das Rennen. Die Pasta Party war für uns das letzte gemeinsame Essen fü r die nächsten sieben Tage. Gegen 22:00 Uhr wurde es ziemlich still und jeder verschwand in seinem Zimmer.

Sonntag, 24. August
7:30 Uhr Frühstück und endgültig letzte Kontrolle
9:00 Uhr Abfahrt zum Schloss des Erbprinzen Alois, der den Start um 10:00 Uhr vornahm.

Die Herausforderung XXALPS hat begonnen.

Franz hatte sehr schnell seinen Rhythmus gefunden und bewältigte die ersten Pässe mit Bravour. Von Rankweil über Furkajoch, Faschinajoch und Bielerhöhe erreichte er gegen 16:00 Uhr Pians und wurde im Anstieg zum Arlbergpass von den treuen Fans, der Familie Hanl, kräftig angefeuert. Der erste Tag sollte auch etwas Besonderes sein, führte doch ein Großteil der Strecke durch seine Heimat. Vom Außerfern herunter nach Telfs, hinauf auf das Seefelder Plateau und von dort nach ZirI, wo eine große Fangruppe auf ihn wartete. Auch für das Betreuerteam lief zu diesem Zeitpunkt alles nach Plan. Das zweite Begleitfahrzeug machte sich auf den Weg nach Südtirol, um bei eventuellen Problemen in der Nacht hinter dem Schranken am Timmelsjoch zu warten.

Montag, 25. August
Trotz Darmproblemen - eine Virusinfektion machte ihm zu schaffen - fuhr Franz seinen gewohnt runden Tritt und überquerte ohne größere Schwierigkeiten Jaufenpass, Sellajoch, Pordojjoch und befand sich bereits mitten in den Dolomiten. Die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme wurde von uns Betreuern genauestens ü berwacht und so konnten wir ziemlich exakt seinen Kalorienhaushalt bestimmen. Dass inzwischen der Sattel getauscht wurde und Franz nun wieder auf seinem "Sofa", das ihn schon beim RAAM so wohlgetan hatte, saß, sei nur am Rande erwähnt. Gegen 18:00 Uhr, wir waren bereits 32 Stunden unterwegs, tauchte die Frage auf, ob es nicht f ür heute genug wäre - und um 22.00 Uhr wurde die erste Ruhepause eingelegt. Für uns Betreuer Zeit für eine gemeinsame Besprechung, denn nach ärztlicher Versorgung, Körperpflege und einer zweistündigen Erholung startete Franz wieder Richtung Schweiz.

Dienstag, 26. August
Die Rennleitung berichtete uns immer wieder vom aktuellen Zwischenstand. Nicht nur für Franz, sondern auch für uns eine Wohltat, über unsere gute Platzierung ständig Bescheid zu wissen. Angespornt durch diese Information, durch das optimale Wetter und durch die aufmunternde Sprache der Crew, waren ein Großteil der Schweizer Pässe bald hinter uns gebracht. Nach dem Wechsel der Betreuer im Pace Car, konnte wieder eine Ruhepause geplant werden. Gegen 1:30 Uhr hatte es Franz geschafft und gönnte sich drei Stunden Pause. In diesen Phasen machte sich das gute Zusammenspiel des Betreuerteams bemerkbar, denn während die Fahrzeuge wieder vorbereitet wurden, versorgten Teamarzt Jürgen und Gertraud Franz.

Mittwoch, 27. August
Trotz hochsommerlicher Temperaturen und herrlichem Wetter machten sich heute erstmals Anzeichen einer Verkühlung bemerkbar. Diese Tatsache sollte hier nur nebenbei bemerkt werden, denn auf den weiteren Rennverlauf hatte sie wenig Einfluss. Immer wieder stellten wir fest, in welch guter physischer und auch psychischer Verfassung sich Franz befand. Nicht nur die innere Uhr in seinem Körper, die fast auf die Minute genau anzeigte, dass es leider wieder Zeit zum Essen war, auch seine große Wachsamkeit, was im Pace Car alles passierte, motivierten uns besonders. Obwohl wir für Notfälle ein Mountainbike mitführten, plagten ihn ständig Gedanken, doch irgendwo ein zusätzliches "Sicherheits-"Kranzpaket fü r das Rennrad aufzutreiben. Hier stellte uns Franz das erste Mal vor ein größeres Problem. Wir waren für (fast) alle Eventualitäten hervorragend gerüstet nur mit der französischen Sprache hatten wir überhaupt nichts am Hut. Am frühen Nachmittag wechselte sich das Betreuerteam im Pace Car wieder ab. Aufgrund der hervorragenden Verhältnisse beschlossen wir, heute so lange wie möglich weiterzufahren. Trotzdem war es notwendig, am Col de la Forclaz eine zweistündige Ruhepause einzulegen. Das gesamte Auto wurde ausgeräumt, Franz stieg vom Rad, dann hieß es Katzenwäsche und Zähne putzen und nach fünf Minuten konnte er sich bereits im Auto niederlegen.

Donnerstag, 28. August

Nach acht Kilometer Abfahrt erreichten wir die französische Grenze und rollten weiter Richtung Süden. Kleidung wechseln und Wartung des Fahrrades wurden immer wichtiger, denn das Wetter änderte sich leider. War es zuerst nur Wind, kamen später Regen und Schnee dazu. Erstmals tauchten Gedanken über die Zielankunft auf. Schaffen wir es noch am Freilag oder steht doch Samstag in der Ergebnisliste? Franz ließ sich nicht beirren und radelte unverdrossen weiter. In einem ca. 50 km langen Flachstück "langweilte" er sich so sehr, dass er unkonzentriert wurde und fast im Straßengraben landete. In den französischen Alpen lebte er dann wieder richtig auf, er sehnte sich direkt nach Col d' lseran, Col du Galibier und Col d' Izoard. Um Mitternacht erreichten wir Modane, wo die letzte Ruhepause stattfand. Ein nun doch gezeichneter Franz stieg vom Rad und wurde sofort ins Zimmer gebracht. Die Crew bereitete für die letzte Etappe noch einmal das Pace Car vor, es wurden Getränke und Nahrung aufgefüllt, die Kleidung wurde eher für kalte Temperaturen hergerichtet und auch das Auto sollte wieder einmal getankt werden.

Freitag, 29. August
Um 4:00 Uhr stieg ein sichtlich gut erholter und voll motivierter Franz wieder auf sein Rad und nahm die letzten 500 km in Angriff. Nicht einmal der starke Regen und die heftigen Windböen schienen ihn zu stören, denn mit seinen Gedanken - so glaubte man - war er bereits im Ziel. Noch einmal wechselten die Betreuer und während dieser Rastpause bekam Franz eine warme Portion Nudeln - wichtige Kohlenhydrate, die er im schweren Anstieg auf den Col de la Bonelte dringend benötigte, wurde er doch von einem etwa 80jährigen Hirten, der mit seinem Waffenrad unterwegs war, gefordert. Sorge bereitete uns die hereinbrechende Dunkelheit, weil die Abfahrt von diesem Pass als besonders gefährlich galt. Eine für alle unliebsame Überraschung hatte dann auch noch die Rennleitung parat. Sie belegte das Team mit zwei zwanzigminü t igen Zeitstrafen, die beim letzten Checkpoint 25 km vor dem Ziel abzusitzen waren Franz nahm diese Strafe eher gelassen hin, konnte er doch massiert werden und noch einmal Kraft für den letzten Anstieg tanken. Um 23:47 Uhr tauchte im Scheinwerferkegel des Pace Cars ein überglücklicher und scheinbar nicht müd er Franz Venier im Ziel auf. 133 Stunden und 47 Minuten waren seit Sonntag vergangen, das bedeutete den dritten Rang beim erstmals durchgeführten XXALPS.